Pressemitteilung, Graz, 18.2.2005
Frauen mit Behinderung wollen arbeiten
Frauen mit Behinderung erhalten bei der Arbeitsplatzsuche weniger Unterstützung als Männer mit Behinderung. Arbeit hat aber einen zentralen Stellenwert in ihrem Leben. Diese und weitere Ergebnisse der Forschungsstudie be gender stellte das Grazer Frauengesundheitszentrum bei einer Präsentation im Kristallwerk vor.
Die qualitative Forschungsstudie be gender wurde vom Frauengesundheitszentrum im Auftrag der Landesstelle Steiermark des Bundessozialamtes von Mai bis Dezember 2004 durchgeführt. Ihre nun präsentierten Ergebnisse zeigen, dass jüngere Frauen und Männer mit Behinderung froh sind über Unterstützungsmaßnahmen bei der Arbeitssuche. Männer werden in der Zeit der Ausbildungs- und Berufswahl aber in höherem Maß betreut als Frauen. "Wenn Unterstützung von Frauen und Männern gutgeheißen und als hilfreich erlebt wird, so kann die geringere Begleitung von Frauen nicht an ihrem Desinteresse liegen", stellt Projektleiterin Sylvia Groth. fest. Die Ungleichheit muss folglich in den Strukturen der Begleitungs- und Unterstützungseinrichtungen verankert sein.
Alle im Rahmen der Studie be gender Befragten berichten von Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche und bis zu hundert abgeschickten Bewerbungen. Gelingt es Frauen mit Behinderung, eine Arbeit zu finden, sind sie stolz, selbst Geld zu verdienen. "Es ist für mich wichtig, denn es ist eine Bestätigung, dass ich gebraucht werde", erklärte eine Interviewpartnerin mit körperlicher Behinderung. Arbeit gibt das Gefühl, in die Gesellschaft integriert zu sein. Niedriger Lohn wird in Kauf genommen, aus Angst keine andere Anstellung zu finden.
Um die Ergebnisse von be gender in die Praxis einzubringen, planen das Frauengesundheitszentrum und die Landesstelle Steiermark des Bundessozialamtes ein Umsetzungsprojekt. "Geschlechtsspezifische Sensibilität ist wichtig, um Frauen und Männer mit Behinderung ihren Bedürfnissen entsprechend unterstützen zu können", so Margareta Steiner, Leiterin der Landesstelle Steiermark des Bundessozialamtes.
be gender - eine Forschungsstudie zur Arbeitssituation von Männern und Frauen mit Behinderung
Die nun präsentierte qualitative Forschungsstudie be gender setzt sich aus drei Teilen zusammen. In narrativen Interviews wurden Frauen und Männer mit Behinderung befragt. Sie erzählten über ihre Arbeit, ihre Arbeitsplatzsuche, Familie, Freundschaften und Zukunftswünsche. Für die Arbeitsplatzanalyse wurden neben Frauen mit Behinderung, die am ersten Arbeitsmarkt tätig sind, auch deren Vorgesetzte und Kolleginnen und Kollegen befragt. Weiters wurden Leiterinnen und Leiter von Behinderteneinrichtungen interviewt.
Zusätzlich fanden zwei ExpertInnenräte mit Fachfrauen und -männern aus Wissenschaft und Lehre und mit Betroffenen statt. "Die Frauen und Männer mit Behinderung sind ExpertInnen für ihr eigenes Leben ", stellt das Forscherinnenteam, Geschäftsführerin Sylvia Groth und drei Mitarbeiterinnen des Frauengesundheitszentrums, fest. Auch die Ergebnisse der Studie wurden mit den InterviewpartnerInnen in einer Abschlussrunde diskutiert. An der Präsentation der Studienergebnisse am Donnerstag, den 17. Februar, im Grazer Kristallwerk wirkten ebenfalls Frauen und Männer mit Behinderung mit.
be gender - der Name spricht
Das "be" steht für Behinderung, "gender" meint das soziale Geschlecht - und damit alle Erwartungen und Vorstellungen, die eine Gesellschaft an Frauen und Männer knüpft.
Ein von Sozialstaatssekretär Sigisbert Dolinschek unterstütztes Projekt, finanziert aus Mitteln der Beschäftigungsoffensive der österreichischen Bundesregierung (Behindertenmilliarde) für Menschen mit Behinderungen und des Europäischen Sozialfonds.
Für inhaltliche Fragen können Sie sich auch gerne an Projektkoordinatiorin MMag.a Sandra Jakomini wenden, Tel.: 0316/83 79 98-27. Fotos stehen zur Verfügung.
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Mag.a Felice Gallé unter Tel.: 0316/83 79 98 oder E-Mail: felice.galle@fgz.co.at| . Ein Foto von Mag.a Sylvia Groth steht Redaktionen kostenlos zum Herunterladen zur Verfügung unter www.mdw.at/pages/n_home.php?user=F1036| oder www.mediendienst.com|