Pressemitteilung des Frauengesundheitszentrums Graz vom 28.6.2001
Was tun, wenn ich ein Problem mit meiner Sexualität habe? Wer kann mir weiterhelfen? Wie soll ich reagieren, wenn mein Kind mit mir über Sexualität reden will? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich Sexualpädagogik, Sexualberatung und Sexualtherapie.
Die Steiermark ist mit Angeboten zu Sexualpädagogik, Sexualberatung und Sexualtherapie nicht gesegnet. Das ergab die Studie "Angebote zu Sexualität in der Steiermark" des Frauengesundheitszentrums Graz. "Es gibt einen großen Gegensatz: In den Medien ist das Thema Sexualität stark vertreten, in der Praxis wird es verschwiegen", erklärt Geschäftsführerin Sylvia Groth, die aus ihrer Praxis weiss, dass besonders Frauen wenig über ihre eigene Sexualität wissen.
93 steirische ExpertInnen und Institutionen wurden für die Studie befragt, ob und was sie zu Sexualität anbieten. Zwölf (13%) bieten Workshops für Jugendliche an, davon arbeiten drei Institutionen geschlechtsspezifisch (Männerberatungsstelle, Verein Mafalda, Frauengesundheitszentrum). Nur acht (8,6%) arbeiten speziell mit Eltern zum Themenbereich Sexualität. "Besonders für Schulen und Jugendeinrichtungen besteht großer Bedarf an Angeboten zu Sexualität. LehrerInnen sind oft überfordert, weil sie zu diesem Thema keine Ausbildung erhalten ", erläutert Groth.
Sexualberatung bieten in der gesamten Steiermark 19 PsychotherapeutInnen an. Auffallend war, dass viele TherapeutInnen in diesem Bereich keine Empfehlungen gaben, mit dem Hinweis, nicht zu wissen, was die KollegInnen anbieten.
"Besonders tabuisiert scheint das Thema Sexualität und Alter zu sein", erklärt Groth: Bis auf fünf ExpertInnen und Einrichtungen (5%) gibt es keine Angebote. Für geistig Behinderte bietet nur ein Projekt (Alpha Nova) Workshops zum Thema Sexualität an. Dem Thema körperliche Behinderung und Sexualität widmen sich immerhin fünf ExpertInnen und Einrichtungen (5 %). Für MigrantInnen gibt es derzeit keine Angebote zu Sexualität.
Die Studie "Angebote zu Sexualität in der Steiermark" sowie eine Liste der steirischen Angeboten zum Thema ist auf der Website zu finden.
Die Studie "Angebote zu Sexualität in der Steiermark" wurde im September 2000 erhoben. Befragt wurden 96 ExpertInnen: 41 PsychotherapeutInnen, 46 Einrichtungen und sechs selbständige ExpertInnen. Die Erhebung erfolgte mittels Interviewleitfaden. Die Fragen betrafen die Aus-, Fort- und Weiterbildungsqualifikationen, die spezifischen Angebote, Weiterverweis an andere ExpertInnen, die Arbeitsweise und personelle, räumliche sowie finanzielle Ressourcen.