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Unser heutiges Schönheitsideal setzt sich aus vier Faktoren zusammen: Jugend, Schlankheit, Fitness und Gesundheit.
|Schönheitsideale gab es zu allen Zeiten seit Menschengedenken. Sie sind nicht naturgegeben, sondern historische Konstrukte, die sich häufig verändert haben und weiter verändern. Heute sind es vor allem marktwirtschaftliche Faktoren, die unser Schönheitsideal beeinflussen. Werbebranche, Sportindustrie, Bekleidungsindustrie, Kosmetik- und Pflegeindustrie, Diätbranche sowie Schönheitschirurgie verdienen daran, dass Frauen und Männer versuchen, dem Schönheitsideal zu entsprechen oder wenigstens näher zu kommen.
Problemzone im Kopf
Besonders Frauen sind mit einem rigiden Schönheitsideal konfrontiert, das sich an magersüchtigen Models orientiert. Frauen sind das „schöne Geschlecht“. Sie erleben häufig, dass sie auf ihr Aussehen und ihren Körper reduziert werden. Natürliche üppigere Körperformen – herablassend „Problemzonen“ genannt – gelten als hässlich und krankhaft. Die wirkliche Problemzone entsteht dabei im Kopf: ein magerer Selbstwert und die Angst, ohne den „perfekten Körper“ nicht geliebt zu werden.
Die Folge sind zahlreiche Formen der Körpergestaltung, die zum Teil als völlig „normale“ Hygiene- und Stylingmaßnahmen gelten: Körperhaare entfernen, Diät halten, gezügeltes Essverhalten, exzessiver Sport – um nur einige zu nennen. Die Möglichkeiten der modernen Schönheitschirurgie sind heute allgemein bekannt.
Schön und glücklich!?
Schönheitsideale sind stets mit Glücksversprechen verknüpft. „Ich mach das nur für mich!“, sagen Frauen und Mädchen, wenn sie ihren Körper zugunsten des Schönheitsideals manipulieren (lassen). Disziplinierung und Kontrolle über den „natürlichen“ Körper gelten als selbstbestimmter Schritt der einzelnen Frau.
Doch die scheinbar individuelle Entscheidung weist viele Brüche auf, denn...
|... das Schönheitsideal ist ein einheitliches. Es gibt eine einzige bestimmte Vorstellung, was als schön gilt - und diese ist eine westliche, die sich aber in alle Teile der Welt ausbreitet.
... Schönheit ist für alle Menschen verfügbar. Der medialen Bilderflut kann sich niemand entziehen.
... Schönheit gilt als machbar. Damit geht die Verantwortung zum Schönsein einher. Wenn jemand nicht dem Schönheitsideal entspricht, dann wird daraus geschlossen: Sie hat nicht durchgehalten - eine Diät, täglich Sport oder was auch immer.
... Schönheit wird als die Lösung von Problemen vermarktet. „Wenn ich erst richtig schlank bin, dann... finde ich den/die Richtige(n), bin ich glücklich, gelingt mir alles, sind alle mit mir zufrieden, habe ich beruflichen Erfolg, gehöre ich dazu!“ „Wenn ich dünner bin, dann beginnt mein wirkliches Leben!“
|Besonders junge Frauen und Mädchen werden vom strengen Schönheitsideal unserer Zeit stark beeinflusst. Schönheit wird mit sexueller Attraktivität gleichgesetzt. Das führt zu Sexualisierung des weiblichen Körpers bei gleichzeitiger Tabuisierung der körperlichen Abläufe weiblicher Sexualität.
|Normal ist die Vielfalt
Das Frauengesundheitszentrum orientiert sich an den Ressourcen von Mädchen und Frauen und stärkt sie in ihren Handlungsspielräumen. Es wendet sich gegen Körpernormen, die nicht der Realität entsprechen. Normal ist die Unterschiedlichkeit und Vielfalt von Frauen: Frauen sind dick und dünn, groß und klein, aus unterschiedlichen Kulturkreisen, jung und alt, haben verschiedene sexuelle Orientierungen, haben Behinderungen oder nicht ...