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Rauchen

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Frauen rauchen anders - und hören anders auf

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Immer mehr Frauen rauchen. Zugleich steigt die Zahl der Lungenkrebsfälle bei Frauen. Zigarettenkonsum und sozialer Status hängen eng zusammen. Für sozial benachteiligte Frauen ist Rauchen auch eine Bewältigungsstrategie für ihren schwierigen Alltag. Frauen sind, besonders bei einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit, auch durch passives Rauchen gefährdet. Rauchentwöhnungsprogramme müssen den speziellen Problemen und Stärken von Frauen entsprechen.

Der Griff zur Zigarette war für Frauen des neunzehnten Jahrhunderts ein Zeichen ihrer Selbstbestimmtheit –
und eine Ausnahme. Heute sind rauchende Frauen längst ein gewohnter Anblick. Zwischen 1991 und 1999 hat sich der Anteil der Raucherinnen unter Österreichs Frauen verdoppelt. 2004 rauchten mit 47 Prozent bereits fast ebenso viele Frauen wie Männer (48 Prozent).

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Mädchen rauchen früher und öfter
Bei den Jugendlichen zeigt sich der Trend noch stärker. 22 Prozent der jungen Raucherinnen raucht täglich, bei den Burschen sind es 19 Prozent. Das Einstiegsalter für Mädchen liegt bei elf Jahren. Wenn Mädchen zu rauchen beginnen, spielen verschiedene persönliche und soziale Faktoren eine Rolle: Vorbilder, etwa rauchende Stars, aber auch Eltern und LehrerInnen, Werbung, der Wunsch dazu zu gehören und erwachsen zu scheinen. Die Pubertät ist eine Lebensphase voller Herausforderungen, der Schulalltag oft von großem Druck geprägt. Rauchen wird als Ventil benutzt, als Mittel zur Entspannung. Vorbeugend wirken daher alle Maßnahmen, die Mädchen in dieser speziellen Zeit stärken und das Schulklima verbessern.
Manche Mädchen rauchen, um schlank zu sein. Ein gefährlicher Irrtum! Tatsächlich ist Rauchen sogar ein Risikofaktor für Fettsucht – auch wenn die extra für Frauen designten langen, „schlanken“ Zigaretten anderes verheißen. Ein weiterer Marketingtrick war die Einführung der so genannten Light-Zigaretten. Sie sind keineswegs ungefährlicher, sondern machen tiefere Lungenzüge möglich und damit den Weg frei für rund 4000 Schadstoffe. Ähnliches bewirken Zusatzstoffe wie Vanille, Schokolade und Menthol, die Husten und Ekel verhindern und schon den ersten Zug schmackhaft machen sollen. So können im Sinne der Tabakindustrie aus neugierigen Probierenden leichter abhängige KonsumentInnen werden. Da Gelegenheit RaucherInnen macht, werden zum Schutz der Kinder und Jugendliche international Altersbeschränkungen und hohe Zigarettenpreise empfohlen.

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Immer mehr Frauen erkranken durch Tabak
Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist das Rauchen an 90 Prozent der weiblichen Lungenkrebsfälle schuld. Seit die Zahl der Raucherinnen steigt, erkranken auch immer mehr Frauen an Lungenkrebs. War das Sterberisiko für Männer zwischen 1998 und 2002 rückläufig, so ist es im gleichen Zeitraum für Frauen um 31 Prozent gestiegen. In der Steiermark sind bösartige Neubildungen der Atmungsorgane für Frauen bereits die dritthäufigste Krebstodesursache. Rauchen ist aber auch ein Risikofaktor für zahlreiche andere Erkrankungen: Kehlkopf-, Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsenkrebs, die chronische Lungenerkrankung COPD.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem Beinvenenthrombose, Herzinfarkt, Schlaganfall, treten besonders häufig bei Raucherinnen auf, die hormonelle Verhütungsmittel benutzen, wie etwa die Pille.

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Da die Gebärmutterschleimhaut in hohem Maße Giftstoffe speichert, verstärkt Rauchen auch die Gefahr an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Frauen, die nicht rauchen, haben ein geringeres Risiko sich mit HPV (Human Papilloma Viren) anzustecken. Raucherinnen mit einer HPV-Infektion erhöhen ihre Heilungschancen, wenn sie zu rauchen aufhören.

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Raucherinnen müssen verstärkt mit geringer Fruchtbarkeit und Komplikationen in der Schwangerschaft rechnen und erleben öfter Früh- und Totgeburten. Sie leiden häufiger unter Menstruationsbeschwerden und verfrühten Wechseljahren. Das Osteoporoserisiko steigt. Dass auch Passivrauchen schadet, ist längst bewiesen. Die Rechte von Nichtraucherinnen müssen ernst genommen werden.

Rauchen als soziales Problem

Rauchen wird oft mit Geselligkeit verbunden. Doch viele Frauen greifen zur Zigarette, um Wut, Enttäuschung, Einsamkeit „runter zu rauchen“. Besonders wenn sie kleine Kinder haben oder Angehörige pflegen, ist Rauchen oft der einzige Anlass, sich zwischendurch eine Pause zu gönnen. Der einzige Moment, in dem Abgrenzung möglich ist. Untersuchungen belegen, dass Frauen bei Stress und frustrierenden Erlebnissen stärker als Männer ihren Zigarettenkonsum erhöhen. Dies fällt doppelt ins Gewicht, weil Frauen häufiger Benachteiligung und Abhängigkeit erfahren. Verstärkt trifft das Frauen aus sozial schwachen Gruppen, wie Frauen mit geringer Bildung, Migrantinnen, Frauen mit Behinderungen. So rauchen etwa Schülerinnen an Hauptschulen deutlich häufiger als Gymnasiastinnen. Soziale Verbesserungen und finanzielle Absicherung für Frauen sind daher Grundlage, wenn Mädchen vom Griff nach der ersten Zigarette abgehalten werden sollen. Und sie sind Grundlage, damit Gewohnheitsraucherinnen zu Nichtraucherinnen werden können und es auch bleiben.

Schritte ins Nichtraucherinnenleben

Im Idealfall dämpft frau die letzte Zigarette aus und ist fortan Nichtraucherin. Die Schlusspunkt-Methode kann funktionieren. Andere Frauen rauchen schrittweise immer weniger und hören dann ganz auf. Für manche kann die Entwöhnung Jahre dauern und Rückfälle einschließen. Generell werden Frauen häufiger rückfällig als Männer. Doch neue Studien zeigen, dass mit jedem weiteren Versuch der endgültige Erfolg näher rückt. Will eine Gewohnheitsraucherin aufhören, muss sie ihre Gewohnheiten ändern und Situationen meiden, in denen sie früher geraucht hat.

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Die besten Begleiter am Weg zur Nichtraucherin sind der ehrliche, eigene Entschluss aufzuhören und die Zuversicht es auch zu schaffen. Hilfreich ist es, die eigenen Rauchgewohnheiten genau zu betrachten und sich mit Vor- und Nachteilen zu beschäftigen. Motivierend sind gerade die kurzfristigen Erfolge: So haben Nichtraucherinnen nicht nur schönere Haut und weißere Zähne, sie riechen auch besser und sparen Geld. Bei der Suche nach neuen Verhaltensweisen und Ritualen können PartnerInnen, FreundInnen oder professionelle BeraterInnen helfen. Selbsthilfegruppen geben neben Ansporn auch soziale Unterstützung. Beratungen zu den unterschiedlichen Möglichkeiten der Entwöhnung bieten verschiedene Stellen, etwa Krankenkassen und Magistrat. Gute Rauchentwöhnkurse dauern sechs Wochen und beachten auch seelische Aspekte.

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Viele Raucherinnen denken daran aufzuhören und warten auf einen geeigneten Anlass. Erfolgversprechender als ein Jahreswechsel mit all den guten Vorsätzen sind eine neue Partnerschaft, ein neuer Arbeitsplatz, körperliche Probleme oder eine Schwangerschaft. Es ist typisch für Frauen, dass sie nicht für ihre eigene Gesundheit aufhören, sondern für die ihres Kindes. Trotzdem haben sie guten Grund dazu. Die Giftstoffe im Tabak schaden bereits Ungeborenen. Nach der Geburt leiden Babys und Kinder als passive MitraucherInnen. Doch während Schwangere sehr oft motiviert den Rauchstopp schaffen, werden viele frischgebackene Mütter wieder rückfällig. Die erste Zeit mit dem Neugeborenen bringt viel Neues, oft auch Überforderung – eine Zigarette zur Entspannung kann da sehr verlockend scheinen. Gerade in dieser Phase brauchen Frauen daher gute Unterstützung.

Raucherinnen rauchen anders: früher, mehr und mit besonderen Risiken. Vorbeugende Maßnahmen, Informationskampagnen und Entwöhnungs-programme müssen den Problemen, Stärken und Lebensumständen von Mädchen und Frauen gerecht werden.

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Quellen

Bundesministerium für Gesundheit und Frauen: Österreichischer Frauengesundheitsbericht 2005, Wien 2005.

Bundesministerium für Gesundheit und Frauen: Rauchverhalten in Österreich. Ergebnisse unterschiedlicher Quellen (inklusive Repräsentative österreichweite Bevölkerungsumfrage im Auftrag des BMGF 2004); http://www.bmgfj.gv.at/cms/site/detail.htm?thema=CH0031&doc=CMS1157724259069|

Europäische Union: Für ein rauchfreies Leben, 2005

www.help-eu.com/pages/indes.cil?id=bdba59df6f327e5f&page=bpdossier|

Gesundheitsserver – Land Steiermark: Risikofaktor -  Rauchen. www.gesundheit.steiermark.at/cms/beitrag/10263615/9586209/?print=J|

Grasser, Gerlinde, Reichenpfader Ursula.: Gesundheitsbericht 2005 für die Steiermark. www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/7928827/DE/|

Land Steiermark: Frauengesundheitsbericht 2003 für die Steiermark. Graz 2003

Statistik Austria: Rauchgewohnheiten. Ergebnisse des Mikrozensus Dezember 1997. Wien 2002.

WHO: Fact Sheet on Gender, Health and Tobacco, 2003 www.who.int/gender/documents/en/Tobacco.references.pdf|

WHO: Tobacco Control Country Profiles, 2003

www.who.int/tobacco/global_data/country_profiles/en/Introduction.pdf|

 

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