Frauengesundheitszentrum Graz & Unabhängige Frauenbeauftragte der Stadt Graz, Daniela Jauk, 25. 11. 2002
Sehr geehrter Herr Dr. Routil!
Wie Sie wissen, ist in Graz derzeit eine Kassenstelle für Gynäkologie ausgeschrieben, für die sich auch 6 Gynäkologinnen beworben haben.
Sie wissen auch, dass nur zwei von 21 gynäkologischen Kassenstellen in Graz aktuell mit Gynäkologinnen besetzt sind. Allerdings bevorzugen zwei Drittel aller Frauen und Mädchen ausdrücklich eine Frauenärztin.
Der Frauenrat, 60 steirische Frauenorganisationen, hat in den letzten Wochen intensiv die Öffentlichkeit informiert und die Steiermärkische Gebietskrankenkasse aufgefordert, im Interesse ihrer weiblichen Versicherten diese Stelle mit einer Frauenärztin zu besetzen. Diese Informationsoffensive des Frauenrates war erfolgreich. Wir bedanken uns bei allen, die diese Forderungen unterstützt haben.
Ihr Verhandlungspartner, die GKK, wird sich am 4.12. 2002 für eine Bewerberin entscheiden. Wir danken an dieser Stelle dem Obmann Herrn Dr. Spindelberger für seine Unterstützung, sich für Patientinneninteressen einzusetzen und freuen uns über seine gesellschaftspolitische Weitsicht!
Sie als Steirische Ärztekammer geben an, sich in Ihrer Sitzung, am Donnerstag den 28.11.2002, für einen Mann entscheiden zu wollen und führen den Fall damit unnötigerweise vor ein Schiedsgericht. Die Ärztekammer vertritt offenbar nicht ihre weiblichen Mitglieder, die Ärztinnen, schon gar nicht die Interessen der Patientinnen!
Undurchsichtige Reihungsschemata für Kassenstellen sind seit Monaten auch international ein Thema, auf Ministerialebene wird ein neues Modell erarbeitet. In diesem Entwurf fehlen allerdings erneut Kriterien der Gleichbehandlung, was gegen EU Recht Gender Mainstreaming verstößt.
Wir fordern Sie auf, Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und ersuchen Sie dringlich, statt männlicher Standesinteressen Patientinneninteressen und die Interessen Ihrer weiblichen Mitglieder wahrzunehmen!
Vielen Dank.
Wir bitten engagierte Frauen, die unsere Forderung nach einer zusätzlichen Gynäkologin in Graz unterstützen möchten, Protestmails an folgende E-Mail-Adressen zu schicken!
GKK-Obmann Erwin Spindelberger: erwin.spindelberger@stgkk.sozvers.at|
Direktionsrat Siegfried Marchel: siegfried.marchel@stgkk.sozvers.at|
Ärztekammerpräsident Dr. Routil: aek@aekstmk.or.at|
Sie haben auch die Möglichkeit, diese Kampagne mit einem Leserbrief an die Kleine Zeitung oder die Kronen Zeitung zu unterstützen. Bitte geben Sie dabei Ihre vollständige Adresse an!
redaktion@kleinezeitung.at|
leser@kronenzeitung.at|