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Natürlich gleich gut?

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Pressemitteilung Frauengesundheitszentrum, 4. Dezember 2003

Nachdem die Krebsrisiken der Hormonersatztherapie in diesem Jahr endlich auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden, werden nun pflanzliche Mittel als natürliche Alternativen angepriesen. Fundierte Studiendaten zur Wirksamkeit dieser Stoffe gibt es allerdings kaum.

Genau wie die Pharmaindustrie an den Hormonbehandlungen verdient, zieht auch ein großer Industriezweig seinen Nutzen aus so genannten „natürlichen Stoffen“ gegen Wechselbeschwerden. Verstärkt werden jetzt solche Phytoöstrogene (z. B. pflanzliche Östrogene wie Isoflavonpräparate) in den Medien als „natürliche Alternativen zur Hormonersatztherapie angepriesen.
Diese isolierten Bestandteile – in Tablettenform oder als Tropfen – sind jedoch in der Regel nicht langzeituntersucht. Und: Sie sind auch nicht als solche harmlos. So können sie beispielsweise auch überdosiert werden, oder es können Langzeitauswirkungen auftreten, gerade weil die Präparate östrogenartige Eigenschaften besitzen.
Eine in diesem Jahr im „Journal of American Medical Association“ (JAMA) veröffentlichte randomisierte, plazebokontrollierte Studie machte deutlich, dass keines der darin getesteten Phytoöstrogen-Präparate einen klinisch bedeutsamen Effekt auf Hitzewallungen oder andere Wechseljahressymptome hatte.
Das Frauengesundheitszentrum rät daher Frauen, Phytoöstrogene direkt über Lebensmittel zu sich nehmen. Erstens weil frau dadurch Überdosierungen verhindert, zweitens weil diese Form der „Hormonversorgung“ viel preiswerter ist. Phytoöstrogene finden sich in natürlicher Form in verschiedenen Lebensmitteln wie Soya, aber auch in anderen Hülsenfrüchten wie Linsen, Kichererbsen oder Alfalfasprossen, in Leinsamen, Getreide, Zwiebeln oder Äpfeln. In den Teepflanzen Hopfen und Salbei sind diese Stoffe, die Hitzewallungen lindern können, ebenfalls enthalten.

Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Lebensphase. Und Frauen, die nicht krank sind, brauchen auch kein Rezept, keine Hormonpräparate und kein Medikament.
Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass lediglich ein Drittel der Frauen im Wechsel Beschwerden hat und Unterstützung braucht. Ein Drittel der Frauen bleibt in den Wechseljahren nahezu beschwerdefrei und ein weiteres Drittel spürt lediglich geringe Anzeichen des Wechsels.
„Ob die nun propagierten pflanzlichen Alternativen wirklich so harmlos und effektvoll sind, wie deren findige Verkäufer angeben, konnte noch in keiner ernstzunehmenden Langzeitstudie nachgewiesen werden. Sicher ist allerdings, dass sich mit diesen Präparaten sehr gut verdienen lässt“, bringt die Medizinsoziologin Sylvia Groth ihre Kritik auf den Punkt.

Nähere Informationen erhalten interessierte Frauen im Frauengesundheitszentrum, Tel. 0316/83 79 98 und in den anderen österreichischen Frauengesundheitszentren.

Literatur:
Loprinzi, Charles et.al.: Phytoestrogens and Adjuvant Endocrine Treatment of
Breast Cancer. J Clin Onco, 18, 14, 2000, 2792-3;
Davis, Susan: Phytoestrogen therapy for menopausal symtoms? in: BMJ 2001, 323: 354-5;
Hitzewallungen nach den Wechseljahren – Phytoöstrogene aus Rotklee nicht besser als Placebo in: arzneitelegramm 34, 9, 2003, 87.)

 

 

 

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