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LeserInnenbrief bezüglich "Pflegegeld: Klasnic tritt für stärkere Zweckwidmung ein"

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Eva Janes, FK, Frauengesundheitszentrum Leibnitz "Die Spinne und das Netz" zum Artikel der Kleinen Zeitung vom 29.8.2000

Als Interessensvertretung von pflegenden/betreuenden Angehörigen fühle ich mich angesprochen. Ich möchte gerne die Vielschichtigkeit und Problematik einer stärkeren Zweckwidmung des Pflegegeldes aufzeigen. Die Zielsetzung des Pflegegeldes muss bleiben, "die Möglichkeit zu verbessern, ein selbstbestimmtes, bedürfnisorientieres Leben zu führen". BezieherInnen von Pflegegeld sind ja nicht nur ältere Menschen mit Pflegebedarf, sondern auch Kinder und Erwachsene mit Behinderungen.

Nur ein Viertel der pflegenden Angehörigen erhält ihre Pflegearbeit regelmäßig bezahlt. Studien zeigen, wie Stress durch die häusliche Pflege ihr Sterblichkeitsrisiko erhöht und die Gesundheit der Pflegenden gefährdet. Pflegende Angehörige brauchen unbedingt Entlastung – aber viel zu wenige nehmen eine Entlastung auch an. Es kommt auch vor, dass die Pflegenden zu wenig von den Möglichkeiten sich zu entlasten wissen.

Um eine zweckmäßige Verwendung des Pflegegeldes zu ermöglichen und eine optimalere Lösung sowohl für die Pflege- oder Betreuungsbedürftigen als auch für die Angehörigen zu erreichen, schlage ich ein bedarfsgerechteres Modell vor. So wird in Schweden der Bedarf an Pflege und Betreuung professionell erhoben. Es gibt eine ganze Palette von verschiedenen Hilfestellungen und auch die Möglichkeit, dass die Gemeinde eine pflegende Angehörige anstellt. Es gibt keine Barleistung, sondern konkrete, praktische bedarfsadäquate Lösungen werden ermittelt und eingesetzt.

Eine solche Vorgangsweise würde in Österreich auch die Bedürfnisse psychisch Kranker oder von Menschen mit geistiger Behinderungen berücksichtigen. Sie erhalten heute schwer Pflegegeld. Dies würde auch zur bedarfsgerechteren Entwicklung der mobilen Dienste beitragen. Beispielsweise fehlen mobile Dienste für behinderte Kinder und Jugendliche oder Tagesbetreuungseinrichtungen auch für ältere Menschen, insbesondere am Land.

Ich begrüße sehr die Diskussion zum Thema Bedarfsgerechte Verwendung des Pflegegeldes. Das heißt, dass dieses Thema endlich öffentlich zur Kenntnis genommen wird. Das Ergebnis soll aber auch eine wirkliche Verbesserung der Lebensbedingungen sowohl der Betreuten und Gepflegten wie auch der pflegenden Angehörigen bedeuten. Verteilungsgerechtigkeit sollte eine Leitlinie für soziale Leistungen in einer humanen Gesellschaft sein.

 

 

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