Presseerklärung des Frauengesundheitszentrums Graz vom 15.2.2000
Mit der Methode der Evidenz basierten Medizin haben die dänischen Forscher Peter Gotzsche und Ole Olsen die Daten aller bisher veröffentlichten Studien zur Mammographie überprüft. Sie stellten fest: "Es gibt keinen verläßlichen Nachweis, daß Reihenuntersuchungen die Sterblichkeit an Brustkrebs verringert. (The Lancet 355, 9198, 8.1.2000)
Gotzsche und Olsen weisen den bisherigen Studien methodische und statistische Fehler nach, die im Lancet-Artikel ausführlich dargestellt werden. Sie gehen sogar soweit zu sagen, Reihenuntersuchungen seien nicht gerechtfertigt.
Für besonders beunruhigend an den Ergebnissen dieser fundierten, in einer qualitativ höchstrangigen Zeitschrift publizierten Untersuchung hält Sylvia Groth, Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums Graz, daß keine Vorteile von Reihenuntersuchungen genannt werden können. Hinzu kommt, daß das sogenannte Screening auch negative Folgewirkungen haben kann: unnötige Eingriffe und falsch positive Resultate, die Frauen ängstigen. So liegt das Risiko, ein falsch positives Mammographieergebnis zu haben, nach zehn Aufnahmen bei 40-49%; bei 20% dieser Frauen erfolgen Gewebeentnahmen.
Seit 1985 gibt es in Schweden Reihenuntersuchungen, um Brustkrebs durch eine Mammographie frühzeitig zu erkennen. Eine Auswertung ergab, daß sich durch diese Untersuchungsmethode die Sterblichkeit an Brustkrebs nicht verringert hat.
Diese Studie hat weitreichende Auswirkungen, da in verschiedenen Städten und Ländern Reihenuntersuchungen durch Mammographie erwogen werden.
Im Unterschied zur Mammographie als Reihenuntersuchung an gesunden Frauen steht die Mammographie als diagnostisches Verfahren, wenn Frauen einen Knoten entdecken. In diesem Fall ist eine klinische Untersuchung durch eine/n Ärztin/Arzt notwendig und sinnvoll.
Das Frauengesundheitszentrum steht für Fragen zur Verfügung, wenden Sie sich bitte an unsere Mitarbeiterin Frau Maga Waltraud Posch.
Wir verweisen außerdem auf eine wichtige deutschsprachige Website zur Mammographie-Debatte: Mammographie-Screening-Online!|