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Eine Hormonbehandlung im Wechsel - heute noch vertretbar?

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Pressemitteilung des Frauengesundheitszentrums Graz vom 6. 08. 2003

Das Frauengesundheitszentrum sieht seine seit langem geäußerte kritische Einschätzung einer massenhaften Verschreibung von Hormonen bestätigt.

Seit Juli 2002, als die weltweit größte Studie zur Hormontherapie für Frauen in und nach den Wechseljahren in den USA abgebrochen wurde, zeigt die Auswertung der Ergebnisse, welchen Risiken Frauen durch die Einnahme der kombinierten Östrogen-/Gestagentherapie ausgesetzt sind. Diese Hormonpräparate führten häufiger zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Das Risiko für Lungenembolien und Thrombosen erhöhte sich um das Doppelte, für Brustkrebs um ein Viertel. Die positiven Wirkungen - weniger Oberschenkelhalsfrakturen und Dickdarmkrebs - wiegen die Risiken nicht auf.

Während sich in den USA ein sofortiger Einbruch bei den Hormonverschreibungen abzeichnete, und die Kardiologen und Gynäkologen den Hormonen als Herzkreislauf- und Knochenbruchprävention eine Absage erteilten, reagierten österreichische ÄrztInnen wesentlich langsamer, viele langjährige BefürworterInnen halten an ihren Empfehlungen fest.

Ein Jahr danach liegen weitere Ergebnisse der WHI-Studie vor. Sie bestätigen die negativen Effekte der Hormone:

  • Im März 2003 ergab eine Auswertung bei den jüngeren Teilnehmerinnen der Studie (Alter 50 - 54 Jahre), dass die Hormone die Lebensqualität von Frauen mit Wechseljahresbeschwerden nicht verbessern.
  • Im Mai kam die Women´s Health Initiative Memory-Studie (WHIMS), eine Teilstudie der vorzeitig gestoppten WHI-Studie, zu dem Ergebnis, dass die Hormontherapie keineswegs einer Altersdemenz vorbeugt, wie früher erhofft worden war, sondern sich unter ihr im Vergleich zur Placebogruppe Demenzen verdoppeln.
  • Im Mai ergab eine weitere Analyse ein um 31% erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Die neueste, detailliertere Analyse der WHI-Studie deckt weitere, beunruhigende Ergebnisse auf: Die Brustkrebstumore waren unter der Hormoneinnahme schwerer zu entdecken, sie waren wesentlich weiter fortgeschritten und bildeten häufiger Metastasen in Lymphknoten. Eine frühe Diagnose durch die Früherkennung mit Mammografie ist erschwert, da sich das Brustgewebe unter Hormonen verdichtet.

Eine weitere nachteilige Auswirkung der Hormontherapie ist die deutlich höhere Anzahl auffälliger Mammografien. Insgesamt hatten die Frauen unter einer Hormoneinnahme doppelt so viele falsch-positive Mammografie-Befunde wie die mit Placebo. Falsch-positive Befunde ziehen Eingriffe zur weiteren Abklärung nach sich, bei denen letztendlich festgestellt wird, dass der Verdacht eines Tumors sich nicht bestätigt. Angesichts der dadurch hervorgerufenen erheblichen psychischen Belastung der Frauen und der teilweisen Notwendigkeit weiterer, auch invasiver Abklärungen ist auch diese Folge als schwere unerwünschte Nebenwirkung einzustufen.

Die neuesten Ergebnisse der WHI-Studie machen ein Umdenken in der Hormonverschreibung in den Wechseljahren immer dringender, viele Hundertausend Frauen in Österreich nehmen Hormone ein - ohne wissenschaftliche Evidenz. Das Festhalten an alten Empfehlungen und das Bagatellisieren wissenschaftlich nachgewiesener Risiken, wie es die Pharmaindustrie und einige ÄrztInnen auch jetzt noch tun, sind nicht länger hinzunehmen.

Der Konsens kritischer Stimmen, dem sich inzwischen Fachgesellschaften wie die deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und die deutsche Arzneimittelkommission der Ärzteschaft angeschlossen haben, trägt dem Rechnung. Das bundesdeutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) überprüft derzeit in einem Stufenplanverfahren die Indikationen für Hormone, dieses Verfahren muss schneller abgeschlossen werden. Hormone sollten nur bei sehr starken Beschwerden, nach Ausschluss von Risikofaktoren, so kurz wie möglich und möglichst niedrig dosiert verordnet werden.

Es gibt heute eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit Wechseljahresbeschwerden umzugehen. Mittel der Selbsthilfe, Verfahren der Naturheilkunde etc. stellen eine gute Alternative dar. Informationen zu den Hormonen und vor allem zu den Alternativen sind der Broschüre "Wechseljahre - Aufbruch in eine neue Lebensphase", die das Feministische Frauen Gesundheits Zentrum Berlin herausgibt, zu entnehmen. Das FFGZ verbreitet auch eine gleichtlautende Pressemitteilung.

Das Frauengesundheitszentrum fordert dringend Handlungen des österreichischen Bundesinstituts für Arzneimittel, die Indikation für Hormonbehandlungen im Wechsel zu überprüfen. Frauen sollten umfassend über die möglichen Auswirkungen informiert werden und auch Informationen über alternative Behandlungsmethoden etwaiger Beschwerden erhalten. Das Frauengesundheitszentrum unterstützt jede einzelne Frau, sich gegen die unnötigen Risiken, denen sie ausgesetzt wurde, öffentlich zur Wehr zu setzen und ihren Protest sowie mögliche gesundheitlichen Einschränkungen durch die Hormontherapie dem Bundesministerium mitzuteilen.

Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Sylvia Groth M.A., Frauengesundheitszentrum, Tel: 03 16 83 79 98, frauen.gesundheit@fgz.co.at |

 

 

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