Pressemitteilung des Frauengesundheitszentrums Graz vom 4.6.2002
Seit 8. Juni 2001 ist es in der Steiermark möglich, ein Neugeborenes straffrei in einer Babyklappe abzugeben. Können Babyklappe und anonyme Geburt Leben retten? Eine Analyse des Frauengesundheitszentrums Graz.
„Kindestötungen werden überwiegend im Affekt begangen, und zwar von Frauen, die auf Grund ihrer momentanen psychischen Situation nicht in der Lage sind, die vorhandenen Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen“, erklärt Doris Petz vom Frauengesundheitszentrum. Im Sinne einer Stress- und Panikreaktion könne es dann möglicherweise zur Tötung oder Weglegung des Neugeborenen kommen. „Das bedeutet aber, dass diese Frauen mit der Babyklappe nicht erreicht werden können.“ Außerdem müssten Babyklappen, wenn sie als Maßnahme für Frauen in Panik gedacht sind, flächendeckend, also etwa alle zwei Kilometer eingerichtet werden, denn keine Frau, die sich in Panik befindet läuft eine halbe Stunde oder länger bis zur nächsten Babyklappe.
Im Gegensatz dazu handeln Frauen, die ihre Kinder in Babyklappen legen oder anonym gebären, vernünftig, zielgerichtet und sind gut informiert. Das stellten SozialwissenschaftlerInnen fest. Diese Frauen wären demnach aber auch in der Lage, schon während ihrer Schwangerschaft Regelungen zu treffen, die keiner Babyklappe bedürften. Daher sei es gut, wenn ungewollt schwangere Frauen möglichst früh soziale und finanzielle Unterstützung bekommen.
Eine übereilte und unkontrollierte Weggabe eines Neugeborenen könne zu einer lebenslangen Traumatisierung von Mutter und Kind führen: „Aus der Adoptionsforschung weiß man, dass Frauen, die ihr Kind zur Adoption freigegeben haben, suizidgefährdet sind, gehäuft unter psychosomatischen Krankheiten leiden und die Trennung von ihrem Kind oft nie überwinden können“, so Petz. Babyklappen und anonyme Geburt könnten diese Symptomatik noch verstärken, da hier das Aufarbeiten der Problematik noch viel schwerer ist als bei offener Adoption.
Die erste und bislang einzige steirische Babyklappe wurde am 8. Juni 2001 am LKH Graz eröffnet. Anonym gebären kann eine Frau an jedem steirischen LKH, das eine geburtshilfliche Abteilung hat.
Für Rückfragen steht Waltraud Posch unter 0316/ 837998 zur Verfügung.
Weitere Informationen zum Thema in unserem Ressourcen-Center im Special Schwangerschaft/Geburt.