Frauen mit Behinderung sind in vielen Lebensbereichen benachteiligt. Von Serviceeinrichtungen sind sie oft ausgeschlossen, weil diese nicht barrierefrei sind, weil sie die Frauen nicht erreichen oder weil sie dort nicht ihren Bedürfnissen und Wünschen entsprechend betreut werden. Doch Frauen mit Behinderung sind die Expertinnen für ihr Leben und verdienen dafür Anerkennung.

Frauen mit Behinderung haben wie Frauen ohne Behinderung vielfältige Lebensentwürfe und Lebensbedingungen. Die typische "behinderte Frau“ gibt es nicht. Es existieren aber strukturelle Bedingungen, die Frauen mit Behinderung stärker benachteiligen als Frauen ohne Behinderung.
Behinderte Frauen werden doppelt diskriminiert: als Frauen und als Behinderte. Nach wie vor verfügen Frauen mit Behinderung seltener über eine abgeschlossene Berufsausbildung als Männer mit Behinderung. Am Arbeitsmarkt sind Frauen mit Behinderung daher kaum vertreten, beziehungsweise nur in unterbezahlten, frauentypischen Berufsfeldern in unter(st)er Hierarchieebene tätig.
Prägend für viele Frauen mit Behinderung ist, dass sie nicht als Frauen, sondern als "Menschen mit Behinderung“ wahrgenommen werden. Ihre besonderen Bedürfnisse als Frauen werden nicht berücksichtigt. Ihre selbstbestimmte Lebensführung wird eingeschränkt. Sexualität ist unausgesprochenes Tabu. Sexuelle Gewalt erlebt mindestens jede zweite Frau mit Behinderung. Frauen mit Behinderung erleben außerdem, dass das Ziel ist, sie an die „gesunde Norm“ anzupassen und damit auch an die gängigen Schönheitsideale.
|Frauengesundheitszentren arbeiten dafür, Frauen mit Behinderung in ihrer Geschlechtlichkeit wahrzunehmen und Mutterschaft, weibliche Rollenklischees, Sexualität, Gewalterfahrungen und Arbeitsmarktsituation zum Thema zu machen.