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E-Mail einer betroffenen Frau an das Frauengesundheitszentrum, August 2003 - mit freundlicher Genehmigung zur anonymen Veröffentlichung
Ich weiss garnicht, wie ich Ihnen danken soll!
Ein fast vierjähriges Martyrium wird nächste Woche durch Entfernen meiner Hormonspirale beendet: Hätte ich auf Ihrer Seite die Berichte betroffener Frauen nicht gelesen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass an meinem Elend etwas zu ändern wäre!
Ich bin nach dem Einsetzen der Spirale wie ein Hefekloss aufgegangen, sehe teigig, träge und extrem unattraktiv aus, und bekomme und bekam von den konsultierten ÄrztInnen zu allem Elend auch noch regelmässig zu hören, es sei eine Schande, sich "als Frau so gehen zu lassen".
Welch ein Zynismus muss unter den Herstellern, Vertreibern und - wie gesagt - leider auch unter den empfehlenden GynäkologInnen herrschen, wenn ein gesellschaftlich derart ausgrenzendes Phänomen wie Dickwerden als Nebenwirkung eines Präparats ignoriert, kleingeredet oder - als Gipfel der Ignoranz! - den betreffenden Frauen auch noch als Eigenverschulden unterstellt wird. Ich lebe seit Beginn der terminlich deutlich auf die Spirale zurückzuführenden Gewichtszunahme vegetarisch, praktisch fettfrei und generell von unter 1000 Kalorien pro Tag, fahre täglich (!) auf dem Fitness-Fahrrad 40 Minuten einen virtuellen Berg hoch, mache jeden zweiten Tag Muskeltraining und 2 Mal wöchentlich Yoga. Der Effekt ist gleich Null; ich wiege mittlerweile 95 Kilo! Meine Frage, ob die Spirale Schuld sein könne, wurde bisher dezidiert von allen Ärzten verneint. Ich bekam stattdessen "Reductil" und "Xenical" verschrieben, und da das auch nicht half, wurde ich arrogant achselzuckend als unverbesserliche, disziplinlose, verfressene Schlampe angesehen. Mir wurde auf der Strasse "fette Kuh" hinterher gerufen, ich habe aufgrund meiner Unattraktivität etliche Jobs verloren, und werde von Menschen, die mich nicht näher kennen, nach der Devise dick=doof eingeschätzt.
Ich hoffe, dass sich nach Entfernen dieses Monstrums die Probleme in den Griff kriegen lassen, und möchte Ihnen und allen Frauen für Ihren Einsatz danken: Sie haben mir meine Lebensfreude und meinen total verlorengegangenen Optimismus gerettet!
(Name der Redaktion bekannt)